Fruchtbarkeit: Auf diese Arten kannst du sie positiv beeinflussen

Die Diagnose Unfruchtbarkeit hört sich in den Ohren vieler hoffnungsvoller Paare wie ein Todesurteil an. Warum dieses Wort allerdings nicht das Ende des Kinderwunsches bedeuten muss, und was du tun kannst, um deine Fruchtbarkeit zu erhöhen, das erklären wir dir in diesem Artikel.

 

Ab wann spricht man von Unfruchtbarkeit?

Wenn ein Paar nach 12 Monaten regelmäßigem und ungeschützten Sex zur Zeit des Eisprungs nicht schwanger wird, spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Unfruchtbarkeit.[1]

In 45 Prozent der Fälle liegt sie bei der Frau, in 35 Prozent der Fälle beim Mann, und in 20 Prozent liegt die Ursache bei beiden Partnern.

Medizinisch wird dabei zwischen primärer und sekundärer Unfruchtbarkeit bzw. Sterilität unterschieden. Primär bedeutet in diesem Fall, dass eine Frau - trotz ungeschütztem Sex - noch nie schwanger geworden ist bzw. der Mann noch nie ein Kind gezeugt hat.

Von einer sekundären Sterilität spricht man, wenn nach einer Schwangerschaft keine zweite mehr zustande kommt.

Weltweit haben acht bis zwölf Prozent aller Paare Probleme mit der Fruchtbarkeit.[2] [3]

 

Mögliche Einflüsse auf die weibliche Fruchtbarkeit

Unfruchtbarkeit bei Frauen kann eine ganze Reihe von Ursachen haben, bedingt durch verschiedene Risikofaktoren:

 

  • Das Alter. Die Empfängnisfähigkeit beginnt ab Mitte 30 zu sinken.[4]
  • Diese Sucht erhöht das Risiko für Unfruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen erheblich und kann die Wirkung einer Fruchtbarkeitsbehandlung untergraben. Auch Passivrauchen wird mit einer geringeren Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht.
  • Eine Studie aus dem Jahr 2016 fand heraus, dass der Konsum von mehr als 14 alkoholischen Getränken pro Woche mit einer längeren Zeitspanne bis zum Eintritt einer Schwangerschaft verbunden war.[5]
  • Ernährung. Ein Mangel an Folsäure, Eisen, Zink und Vitamin B-12 kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Frauen, die gefährdet sind, auch solche, die sich vegan ernähren, sollten untersuchen lassen, ob sie ausreichend mit diesen Nährstoffen versorgt sind. Auch Übergewicht kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern das Risiko für Unfruchtbarkeit erhöhen.[6]
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Es liegt eine Funktionsstörung der Eierstöcke vor und der Eisprung kann ausbleiben.[7]
  • Schlechte Eizellqualität. Eizellen, die beschädigt sind oder genetische Anomalien entwickeln, können eine Schwangerschaft nicht tragen. Je älter eine Frau ist, desto höher ist das Risiko.[8]
  • Illegale Drogen. Einige Frauen, die Marihuana oder Kokain konsumieren, können Fruchtbarkeitsprobleme haben.

 

Mögliche Einflüsse auf die männliche Fruchtbarkeit

Auch beim Mann können verschiedene Risikofaktoren greifen, die das Zeugen eines Kindes erschweren oder unmöglich machen:

 

  • Niedrige Spermienzahl. Der Mann ejakuliert eine geringe Anzahl von Spermien, d. h. eine Spermienzahl von unter 15 Millionen.
  • Geringe Spermienbeweglichkeit (Motilität). Die Spermien “schwimmen” nicht so gut, wie sie sollten, und erreichen die Eizelle nicht.
  • Abnormale Spermien. Die Spermien können eine ungewöhnliche Form haben, die ihnen die Bewegung erschwert und die Befruchtung der Eizelle unter Umständen unmöglich macht.

 

Man geht davon aus, dass bis zu zwei Prozent der Männer suboptimale Spermien haben.[9]

Die folgenden Risikofaktoren können die Ursache für die oben genannten Qualitätsminderungen der Spermien sein:

  • Überhitzte Hoden. Zu den Ursachen gehören ein Hodenhochstand, eine Varikozele (Krampfadern im Hodensack), die Benutzung von Saunen oder Whirlpools, das Tragen enger Kleidung sowie die Arbeit in heißen Umgebungen.
  • Hormonelles Ungleichgewicht. Hypogonadismus kann z. B. zu einem Testosteronmangel führen.[10]
  • Diese kann die Spermienproduktion beeinträchtigen. Der Schweregrad hängt in der Regel davon ab, wie nahe am Hoden die Strahlung angesetzt wurde.
  • Anabole Steroide. Beliebt bei Bodybuildern und Sportlern, kann die langfristige Einnahme die Spermienzahl und -beweglichkeit ernsthaft reduzieren.[11]
  • Die männliche Fruchtbarkeit beginnt ab 40 Jahren zu sinken.[12]
  • Übermäßiger Alkoholkonsum. Dies kann die männliche Fruchtbarkeit senken. Es ist nicht erwiesen, dass mäßiger Alkoholkonsum die Fruchtbarkeit der meisten Männer beeinträchtigt, aber er kann sich auf diejenigen auswirken, die bereits eine niedrige Spermienzahl haben.
  • Psychischer Stress. Stress kann ein Faktor sein, besonders wenn er zu einer reduzierten sexuellen Aktivität führt.

 

So kannst du deine Fruchtbarkeit erhöhen

 

1. Nimm dir Zeit zum Entspannen

Wenn ihr versucht, schwanger zu werden, kann euch das unter Stress setzen. Wenn dein Stresspegel steigt, sinken deine Chancen, schwanger zu werden. Das ist wahrscheinlich auf die hormonellen Veränderungen zurückzuführen, die auftreten, wenn du dich gestresst fühlst.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen Stress und Fruchtbarkeit sind gemischt, aber es gibt Hinweise darauf, dass Stress die Fruchtbarkeit unterdrücken kann.[13] [14]

Im Umkehrschluss zeigen neuere Studien, dass stressreduzierende Therapien die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöhen können. Stress scheint also ein Faktor zu sein, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.[15]

 

2. Vermeide Transfette

Der tägliche Verzehr von gesunden Fetten ist wichtig, um die Fruchtbarkeit und die allgemeine Gesundheit zu fördern.

Transfette sind ungesättigte Fettsäuren, die entstehen, wenn ursprünglich gesundes Pflanzenöl industriell gehärtet wird. Sie werden aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die Insulinempfindlichkeit mit einem erhöhten Risiko für ovarielle Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht.[16]

Studien haben gezeigt, dass eine Ernährung mit einem höheren Anteil an Transfetten und einem geringeren Anteil an ungesättigten Fetten sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen könnten.[17]

 

3. Strebe ein gesundes Gewicht an

Das Gewicht ist einer der einflussreichsten Faktoren, wenn es um die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen geht. Tatsächlich scheint Unter- oder Übergewicht mit erhöhter Unfruchtbarkeit in Verbindung zu stehen.

Zum Beispiel haben Frauen mit einem BMI (kg/m2) über 25 häufig Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Allerdings ist Untergewicht genauso problematisch. Frauen mit einem BMI unter 19 sind ähnlich häufig von Unfruchtbarkeit betroffen.[18]

Vor allem Übergewicht wird mit einem ausbleibenden Eisprung und Menstruationsunregelmäßigkeiten in Verbindung gebracht, aber auch mit einer gestörten Eientwicklung.[19]

 

4. Halte ein Auge auf wichtige Nährstoffe

Es gibt viele essentielle Nährstoffe, die wir über die Nahrung zu uns nehmen müssen. Dazu gehören Mineralien und Vitamine, die auch für die Empfängnis und Schwangerschaft eine tragende Rolle spielen, z. B. Zink, B-Vitamine, zu denen auch Folsäure gehört.[20]

Oftmals weisen Frauen, die nicht schwanger werden, einen Mangel an wichtigen Nährstoffen wie z.B. Selen, den Vitaminen B6, B12 und Vitamin D oder Folsäure auf. Um die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen, empfiehlt sich in diesen Fällen die Einnahme von Supplementen.[21]

Schon vor dem Beginn einer Schwangerschaft ist Folsäure wichtig, und eine zusätzliche Einnahme kann - bei festgestelltem Mangel - die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen.[22]

Während der Schwangerschaft ist ein Mangel an Folsäure u. U. für Fehlbildungen in der Entwicklung des Embryos verantwortlich. Aus diesem Grund findet sich der Nährstoff sehr oft auf der empfohlenen Ernährungsliste für Schwangere.[23]

Tatsächlich könnten geschätzte 20 Prozent der ovulatorischen Unfruchtbarkeiten vermieden werden, wenn Frauen drei oder mehr Multivitamine pro Woche zu sich nehmen würden. Denn die viele Vitaminen spielen eine wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit.[24] [25]

 

5. Antioxidantien

Antioxidantien wie das oben erwähnte Zink können die Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen verbessern. Sie deaktivieren die freien Radikale in deinem Körper, die sowohl Spermien als auch Eizellen schädigen können.

Eine Studie aus dem Jahr 2012 mit jungen, erwachsenen Männern zeigte, dass der Verzehr von 75 Gramm Walnüsse pro Tag die Spermienqualität verbessern konnte.[26]

Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse und Getreide sind vollgepackt mit nützlichen Antioxidantien wie den Vitaminen C und E, Folsäure, Beta-Carotin und Lutein. Mehr von diesen gesunden Lebensmitteln zu essen kann also - ungeachtet eines eventuellen Kinderwunsches - in keinem Fall schaden.

 

6. Iss mehr Ballaststoffe

Ballaststoffe halten deinen Blutzucker im Gleichgewicht und helfen deinem Körper, überschüssige Hormone loszuwerden. Bestimmte Ballaststoffe können helfen, überschüssiges Östrogen zu entfernen, indem sie es im Darm binden. Es wird dann als Abfallprodukt aus dem Körper ausgeschieden.

Eine Studie aus dem Jahr 2009 brachte lösliche Ballaststoffe, wie aus z. B. Avocados, Süßkartoffeln, Hafer und Früchten, mit niedrigeren Östrogen- und Progesteronwerten in Verbindung. Vor allem lösliche Ballaststoffe aus Obst hatten den stärksten Zusammenhang mit niedrigen Östrogen Konzentrationen.[27]

Eine andere Studie aus dem Jahr 2009 zeigte, dass der Verzehr von 10 Gramm mehr Getreidefasern pro Tag mit einem um 44 Prozent geringeren Risiko für ovarielle Unfruchtbarkeit bei Frauen über 32 Jahren verbunden war.[28]

 

7. Bewege dich und werde aktiv

Bewegung hat viele Vorteile für deine Gesundheit. Eine Steigerung der moderaten körperlichen Aktivität hat positive Auswirkungen auch auf die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern, insbesondere bei denen mit Übergewicht.[29]

Gerade Frauen, bei denen Unfruchtbarkeit auf Übergewicht oder PCOS (Polyzystisches Ovar-Syndrom) zurückzuführen ist, profitieren davon. Allerdings darfst du es auch nicht übertreiben, denn Extremsport stellt einen Stressfaktor dar, der die Fruchtbarkeit sogar mindern kann.

30-60 Minuten Sport täglich fördern die Fruchtbarkeit, mehr als 60 Minuten täglich können jedoch einen negativen Effekt haben.[30]

 

8. Wichtig: Deine Darmgesundheit

Auch wenn man beim Thema Fruchtbarkeit nicht zuerst an den Darm denkt, hat er doch einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Hast du gewusst, dass die Darmflora die Hormonproduktion beeinflusst und damit Auswirkungen auf deine Fruchtbarkeit hat?[31]

Eine Dysbiose (Ungleichgewicht im Darm) stört  zum Beispiel die Freisetzung eines Enzyms, das eine tragende Rolle beim Östrogenstoffwechsel spielt. PCOS, Übergewicht und metabolisches Syndrom können die Folge dieses verringerten Östrogenspiegels sein.[32]

Auch hat die Balance der Darmflora direktes Ausmaß auf das Körpergewicht und unser Essverhalten.[33]

Du vermeidest also besser - um deiner Darmgesundheit willen - Zucker, Fertigprodukte, Weißmehl oder schlechte Fette.[34]

 

Fazit: Die Fruchtbarkeit lässt sich erhöhen

Wer die Diagnose Unfruchtbarkeit hört, dessen Traum vom eigenen Kind muss nicht ausgeträumt sein. Unter Umständen können eine nährstoffreiche Ernährung und positive Veränderungen im Lebensstil die Fruchtbarkeit fördern und den Körper auf eine Schwangerschaft vorbereiten.

Auch die Einnahme verschiedener Supplemente, die zum Beispiel Nährstoffe wie Zink, Selen, Eisen oder Vitamine enthalten, kann bei einem Mangel hilfreich sein. Je mehr negative Faktoren du ausschaltest, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.

Die Fruchtbarkeit des Mannes und die Fruchtbarkeit der Frau lassen sich also erhöhen.

 

 

[1] https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infertility

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4691969/

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4691969/

[4] https://www.acog.org/womens-health/faqs/having-a-baby-after-age-35-how-aging-affects-fertility-and-pregnancy

[5] https://www.bmj.com/content/354/bmj.i4262

[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28661897/

[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4642490/

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3017326/

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4691969/

[10] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3255409/

[11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21682835/

[12] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24054934/

[13] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6016043/

[14] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1090513806000274

[15] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29946210/

[16] https://hms.harvard.edu/news/trans-fats-may-raise-risk-infertility

[17] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29383942/

[18] https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fendo.2019.00346/full

[19] https://joe.bioscientifica.com/view/journals/joe/239/3/JOE-18-0199.xml

[20] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17099205/

[21] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31040736/

[22] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26081493/

[23] https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/schwangere-stillende/handlungsempfehlungen-zur-ernaehrung-in-der-schwangerschaft/

[24] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2366795/

[25] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6480978/

[26] https://academic.oup.com/biolreprod/article/87/4/101,%201-8/2514205

[27] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2744625/

[28] https://www.nature.com/articles/1602904?utm_medium=affiliate&utm_source=commission_junction&utm_campaign=3_nsn6445_deeplink_PID100090071&utm_content=deeplink

[29] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28961722/

[30] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28035585/

[31] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31577927/

[32] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31636122/

[33] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28532414/

[34] https://www.pnas.org/content/116/1/233