Jod - So schlägst Du dem Mangel ein Schnippchen

Jod (Fachsprachlich: Iod) gehört in unserer Wahrnehmung so sehr zum Alltag, dass wir eigentlich gar nicht darüber nachdenken. Dabei ist Deutschland laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) immer noch ein Jodmangelgebiet.[1] Zeit, dass wir uns dieses wichtige Spurenelement und seine Bedeutung für unseren Körper einmal genauer ansehen.

 

Was ist Jod eigentlich?

In der Natur ist dieses Mineral weit verbreitet. In Gesteinen und Böden vorhanden, wird es durch Verwitterung ausgewaschen und gelangt über das Grundwasser ins Meer. Mit rund 0,05 Milligramm pro Liter ist Jod reichlich im Meerwasser enthalten, wo es besonders gut aus Algen oder getrockneten Schwämmen gewonnen werden kann.

Neben Magnesium, Selen, Kalium und vielen weiteren Mineralien ist auch Jod ein essentielles Spurenelement. Es ist für eine normale Schilddrüsenfunktion und die Produktion von Schilddrüsenhormonen verantwortlich.[2] Und eben über die Schilddrüse und deren Hormone reguliert Jod auch den Stoffwechsel und das Herzkreislaufsystem.

Jodmangel ist einer der häufigsten Nährstoffmängel, von dem fast ein Drittel der Weltbevölkerung betroffen ist.[3]

 

Wofür ist Jod gut?

Als Bestandteil des Schilddrüsenhormons Thyroxin besitzt Jod eine große Bedeutung für deinen Stoffwechsel und seine Funktionsfähigkeit. Neben dem Nervensystem sind auch alle anderen Organsysteme in deinem Körper auf dieses Mineral angewiesen. Jod unterstützt das Wachstum von Zellen und ist für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur wichtig. Der Organismus benötigt es für die Herstellung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die jeweils vier bzw. drei Jod-Atome enthalten.

Schilddrüsenhormone sind für eine Vielzahl an Stoffwechselvorgängen im Körper verantwortlich. Aus diesem Grund können Funktionsstörungen sehr gefährliche Folgen für Stoffwechsel und Entwicklung haben.

Tritt ein Mangel auf, reagiert unsere Schilddrüse zunächst mit der Bildung eines sogenannten Kropfes (Struma). Das ist die sichtbare Vergrößerung der im Hals befindlichen Schilddrüse. Um den Mangel auszugleichen, produziert der Körper mehr Schilddrüsengewebe. Hält der aber an, kommt es zu einer Gewebeveränderung in Form von Knoten, so dass nicht mehr richtig auf Signale des Körpers reagiert werden kann.

Ein starker und ausgeprägter Jodmangel führt auf Dauer zu einer Hypothyreose (einer Unterfunktion der Schilddrüse), deren Kennzeichen eine verringerte Produktion von T4 und T3 ist.

Zwar ist das häufigste Symptom von Jodmangel eine vergrößerte Schilddrüse, er kann aber auch zu einem Anstieg der Herzfrequenz, Kurzatmigkeit und Gewichtszunahme führen.[4] Dazu noch können schuppige und trockene Haut oder verminderte Fruchtbarkeit auf einen Jodmangel hinweisen.

 

Das kann Jod noch

Neben den oben erwähnten Funktionen ist Jod unter anderem für deine Haut, dein Nervensystem und deine kognitiven Funktionen wichtig. Aber Jod kann noch mehr:

Es fördert die Schilddrüsengesundheit

Jod spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Schilddrüse. Dieses Organ, das sich an der Basis der Halsvorderseite befindet, hilft bei der Regulation der Hormonproduktion. Und diese Hormone wiederum steuern den Stoffwechsel, die Herzgesundheit und vieles mehr.

Um die entsprechenden Hormone zu bilden, nimmt die Schilddrüse in kleinen Mengen Jod auf. Ohne dieses Spurenelement kann die Hormonproduktion abnehmen. Dieser Rückgang an Aktivität kann zu einem Zustand namens Hypothyreose führen. Der Stoffwechsel läuft langsamer als normal ab. Ein Rückgang der körperlichen und geistigen Leistungskraft ist die Folge. Eine Hypothyreose lässt sich aber anhand von Blutuntersuchungen nachweisen und ist in der Regel auch gut behandelbar.

Während Jod die allgemeine Gesundheit der Schilddrüse fördert, kann eine Überdosierung von Jod einen negativen Effekt auf die Schilddrüse haben, Hyperthyreose genannt. Infolge dieser Überversorgung kann es zu einer Reihe von Krankheitsbildern kommen.

 

Verminderung des Risikos einiger Struma Arten

Ein Kropf ist eine vergrößerte Schilddrüse und kann entweder durch eine Hypothyreose oder eine Hyperthyreose entstehen. Auch nicht krebsartige Schilddrüsenknoten (Zysten) können eine Vergrößerung verursachen.

Manchmal entwickelt sich ein Kropf als eine direkte Reaktion auf Jodmangel. Tatsächlich ist das weltweit die häufigste Ursache für eine Struma.

Struma, die aufgrund eines Jodmangels entstanden sind, können durch die Zugabe von jodhaltigen Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln in der Ernährung rückgängig gemacht werden.

 

Mögliche Verbesserung des Geburtsgewichts

Wie bei der Entwicklung des Gehirns spielt Jod während der Schwangerschaft auch für ein gesundes Geburtsgewicht eine Rolle. Eine Studie an schwangeren Frauen mit Kropf fand heraus, dass 400 mg Jod, die täglich für sechs bis acht Wochen eingenommen wurden, einen Rückgang der jodinduzierten Struma bewirkten. Dazu kam es auch zu einer allgemeinen Verbesserung des Geburtsgewichts der Neugeborenen.[5]

 

Jod und Infektionen

Jod kann topisch in flüssiger Form zur Behandlung und Vorbeugung von Infektionen verwendet werden. Es wirkt, indem es Bakterien in und um leichte Schnitte und Kratzer abtötet. Viele von uns werden sich vielleicht noch an die Jodtinkturen erinnern, die uns unsere Eltern auf aufgescheuerte Knie oder kleine Wunden gegeben haben.

Topisches Jod sollte allerdings nicht bei Neugeborenen verwendet werden. Genausowenig sollte es für tiefe Schnitte, Tierbisse oder Verbrennungen verwendet werden.

Am besten du befolgst die Anweisungen auf den Packungen und Beipackzetteln und hältst bei einer längeren Verwendung Rücksprache mit deinem Arzt.

 

Jod ist für die kognitiven Funktionen von Kindern wichtig

Die gleichen neurologischen Vorteile, die Jod während der Schwangerschaft bietet, können sich auch auf eine gesunde Gehirnfunktion in der Kindheit auswirken. Ein Mangel kann zu einer geistigen Behinderung führen, der durch eine ausreichende Versorgung mit Jod vorgebeugt werden kann.[6]

 

Unterstützt bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Radiojod, also die radioaktive Variante des Minerals (auch bekannt als Jod-131), kann eine mögliche Behandlungsoption für Schilddrüsenkrebs sein. Nimmt der Patient radioaktives Jod oral ein, zerstört das Medikament die Schilddrüsenzellen, einschließlich der Krebszellen. Es kann als Behandlung nach einer Schilddrüsenoperation eingesetzt werden, um sicherzustellen, dass alle Krebszellen aus dem Körper entfernt wurden.[7]

 

Die besten Jodlieferanten

Agrarprodukte enthalten in der Regel - bedingt durch den niedrigen Jodgehalt im Boden - nur sehr geringe Mengen dieses Spurenelements. Dagegen weisen Fisch und Meeresfrüchte einen hohen Jodgehalt auf. Doch nicht jeder isst täglich genug davon. Zwar wird seit Mitte der 1980er Jahre jodiertes Speisesalz im Haushalt, der Lebensmittelindustrie, im Lebensmittelhandwerk und als Futtermittelzusatzstoff verwendet, allerdings wird trotzdem nicht jeder optimal mit diesem Mineral versorgt.[8]

Einem Jodmangel allein mit jodiertem Speisesalz entgegenzuwirken gilt deshalb nur als Teil der Lösung. Denn im Salz liegt es in einer Form vor, die die Schilddrüse nur bedingt nutzen kann.

Um den Jodbedarf zu decken, ist der Verzehr von Algen sinnvoll. Drei beliebte Algenarten sind zum Beispiel Kombu-Seetang, Wakame und Nori.

Wer den Geschmack von Algen nicht mag, kann auch auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen.

Besonders jodreich sind dabei Nahrungsergänzungsmittel aus hochwertigen Braunalgen, vor allem den Arten Arame, Kombu, Wakame und Hijiki.

Wer seine Ernährung anpassen möchte, der sollte sich auch folgende Lebensmittel anschauen:

 

Kabeljau

Kabeljau ist ein vielseitiger, weißer Fisch, der eine zarte Textur und einen milden Geschmack hat. Er ist relativ fett- und kalorienarm, bietet aber eine große Vielfalt an Mineralien und Nährstoffen, einschließlich Jod. Laut der Icelandic Food Content Database haben fettarme Fische die höchsten Jodmengen.[9]

Die Menge an Jod in Kabeljau kann leicht variieren, je nachdem ob der Fisch in einer Zuchtanlage oder in freier Wildbahn gefangen wurde und aus welcher Region er stammt.

 

Thunfisch

Thunfisch ist ebenfalls ein kalorienarmer, eiweißreicher und jodhaltiger Fisch. Außerdem ist er eine gute Quelle für Kalium, Eisen und B-Vitamine.[10]

Er gilt auch als gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren, die das Risiko für Herzkrankheiten senken können.[11]

Allerdings bieten Fische mit höherem Fettgehalt geringere Mengen an Jod. Und weil Thunfisch ein fetterer Fisch ist, ist die Menge an Jod, die in ihm gefunden wird, geringer als bei weniger fettreichen Arten, wie z.B. dem oben erwähnten Kabeljau.[12]

 

Eier

Eier sind ebenfalls eine gute Quelle für Jod. Für weniger als 100 Kalorien liefert ein ganzes Ei eine magere Proteinquelle, gesunde Fette und ein breites Sortiment an Vitaminen und Mineralien.[13]

Der Großteil dieser Nährstoffe, einschließlich Jod, stammt jedoch aus dem Eigelb.[14]

Weil das Jod dem Futtermittel beigemischt ist, kann sein Gehalt im Hühnerfutter und letztendlich in den Eiern selbst schwanken.[15]

 

Pflaumen

Pflaumen sind eine gute vegetarische oder vegane Quelle für Jod. Fünf getrocknete Pflaumen liefern 13 µg Jod, das sind etwa 9 Prozent des Tageswertes.[16]

Pflaumen sind auch allgemein dafür bekannt, dass sie bei Verstopfung helfen. Das liegt an ihrem hohen Gehalt an Ballaststoffen und Sorbitol, einer Art Zuckeralkohol.[17]

Aufgrund der Nährstoffe, die Pflaumen bieten, können sie helfen, die Herzgesundheit zu verbessern, das Risiko von Darmkrebs zu verringern und durch Verringerung des Appetits sogar beim Abnehmen unterstützen.[18]

 

Empfohlene Dosierungen

Damit der Körper genügend Schilddrüsenhormone bilden kann, liegt der tägliche Bedarf eines Erwachsenen laut dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bei etwa 150 bis 200 Mikrogramm.[19]

Die kritische Dosis, ab der Mangelerscheinungen noch nicht auftreten, liegt bei 60 bis 120 Mikrogramm täglich.

Säuglinge sollten 40 bis 80 Mikrogramm Jod pro Tag bekommen, Kinder je nach Alter zwischen 100 und 200 Mikrogramm pro Tag. Schwangeren und stillenden Frauen wird empfohlen, zwischen 230 und 260 Mikrogramm Jod am Tag zu sich zu nehmen.

 

Fazit: Jod kommt oft zu kurz

Jod ist ein essentielles Spurenelement, das vor allem für die Schilddrüse eine große Rolle spielt. Es ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen wichtig, die für die Regulation wichtiger Stoffwechselabläufe im Körper verantwortlich sind.

Wichtige Lieferanten sind in Deutschland - das bei der Jodversorgung der Bevölkerung rückläufige Tendenzen zeigt - unter anderem Fisch, jodierte Nahrungszusätze und Salze, sowie Nahrungsergänzungsmittel.

Erwachsene sollten auf eine tägliche Jodzufuhr von mindestens 200 Mik

 

[1] https://www.bfr.bund.de/de/jodversorgung_in_deutschland_wieder_ruecklaeufig___tipps_fuer_eine_gute_jodversorgung-128626.html

[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748117/

[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23472655/

[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748117/

[5]  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25629792/

[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25231449/

[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18696273/

[8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23201844/

[9] http://www.fao.org/infoods/infoods/tables-and-databases/europe/en/

[10]  https://nutritiondata.self.com/facts/finfish-and-shellfish-products/4146/2

[11]  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5067287/

[12]  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2691155/

[13]  https://nutritiondata.self.com/facts/dairy-and-egg-products/111/2

[14]  https://link.springer.com/article/10.1007/s00217-012-1693-z

[15]  https://link.springer.com/article/10.1007/s00217-012-1693-z

[16]  https://ods.od.nih.gov/factsheets/Jodine-HealthProfessional/#h3

[17] https://www.mdpi.com/2072-6643/9/4/401/htm

[18]  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16351514/

[19]  https://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/jod-4600.html