Papain: Das kann das Enzym der Papaya

Die Papaya gilt als gesunde Vitaminbombe aus den Tropen. Aber neben ihrem Vitaminreichtum besitzt diese Frucht einen Stoff, der immer mehr Beachtung findet: Papain. Um dieses Enzym und seine therapeutische Wirkung ranken sich mittlerweile einige Gesundheits-Mythen. Wir beleuchten Papain von der wissenschaftlichen Seite und erklären dir, was du darüber wissen solltest.

Was ist Papain?

Papain ist ein proteolytisches Enzym und kommt in hoher Konzentration in der noch grünlichen Schale und den Kernen des Melonenbaums oder Papaya (Carica papaya), einer wichtigen tropischen Nutzpflanze, vor. Die Papaya benötigt Papain in erster Linie zur Abwehr von Schädlingen.[1]

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Das aus 212 Aminosäuren bestehende und zu den Cysteinproteasen gehörende Enzym hat eine eiweißspaltende Wirkung und wird neben der Küche, wo es als Zartmacher für Fleisch zum Einsatz kommt, auch in der Textiltechnik verwendet. Dort dient es als Hilfsmittel, um Schrumpfen und Verfilzen von Seide und Wolle zu verhindern. Sogar in der Herstellung von Bier wird es benutzt, dort entfernt es die Trübstoffe im Bier. In der Transfusionsmedizin kann Papain zur Identifikation des Duffy-Faktors genutzt werden.[2]

Die Naturvölker Mittel- und Südamerikas kennen die wundreinigende Wirkung des Milchsaftes (Latex) der Papaya schon lange. Aber erst nachdem das Enzym isoliert werden konnte, fand man heraus, dass Papain beispielsweise eine wurmtötende Eigenschaft hat. Welche weiteren Eigenschaften Papain hat, wollen wir in diesem Artikel beleuchten.

Die Wirkungsweise von Papain

1969 wurde die vollständige Aminosäuresequenz von Papain entschlüsselt. Ein Jahr vorher wurde seine Proteinstruktur aufgeklärt. Dieses Wissen bildet eine gute Basis, um die Wirkungsweise, den Einfluss und die Vorteile für den menschlichen Körper besser zu verstehen.

Die antioxidativen, antibakteriellen und antientzündlichen Wirkungen des Enzyms sind bekannt. Es erleichtert die Verdauung von Nahrungs-Proteinen im Verdauungssystem, in dem es Proteine in Fragmente -genauer, in Peptide und Aminosäuren- aufspaltet. Im Herz-Kreislauf-System trägt es dazu bei, dass Fibrin und Fibrinogen, die für das Zusammenkleben von Blutzellen mitverantwortlich sind, abgebaut werden können.

Da viele Botenstoffe, Zellrezeptoren und Antikörper entweder Eiweiße sind oder über Eiweiße wirken, verlieren sie ihre Funktion, sobald sie aufgespalten sind. Papain baut diese Eiweißmoleküle ab und verhindert so das Entstehen oder die Ausbreitung von Entzündungen.

Hier kann Papain unterstützen

Nach wie vor werden dem Enzym viele Eigenschaften nachgesagt, für deren Richtigkeit noch keine gesicherten Beweise vorliegen. Deshalb haben wir hier wissenschaftliche Studien zusammengestellt, in denen Papain eine vielversprechende Wirkung zu haben scheint.

Papain unterstützt die Verdauung

Vieles deutet darauf hin, dass Papain bei auftretenden Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Verstopfung helfen kann. Eine kontrollierte, randomisierte Studie zeigte 2013, dass ein Papaya-Präparat (Caricol®) Verstopfungen und Blähungen bei Menschen mit gastrointestinaler Dysfunktion signifikant verbesserte.[3]

Papain hat eine antioxidative Wirkung

Die im Papain enthaltenen Antioxidantien sollen die freien Radikale im Körper daran hindern, wichtige Stoffwechselprozesse des Körpers zu stören.[4] Es wird untersucht, welche Rolle das bei degenerativen Krankheiten wie z.B. Alzheimer haben könnte.

Vielversprechend zeigt sich das Enzym der Papaya auch bei den Folgen der Diabetes Typ II.[5] Auch hier sind aber weitere Studien nötig, um die ersten gewonnen Erkenntnisse zu vertiefen.

Es kann möglicherweise Muskelkater lindern

Muskelschmerzen, die durch intensives Training verursacht werden, sollen durch Protease-Supplements gelindert werden können. Das suggeriert eine Studie, bei der zehn männliche Trainingspaare als Teilnehmer entweder ein Papain enthaltendes Protease-Supplement oder Placebos erhielten.[6]

Die Teilnehmer bekamen die Enzyme bzw. die Placebos nach Absolvieren eines 30-minütigen Berglaufs bei 80 Prozent ihrer maximalen Herzfrequenz. Dabei zeigte die Papain-Gruppe eine bessere Muskelerholung und weniger Muskelschmerzen als die Placebogruppe.

Wirkung von Papain, Viktilabs

Es könnte bei Halsentzündungen helfen

Papain könnte dabei helfen, die Symptome von Halsentzündungen, wie z.B. Schmerzen, Rötungen und Entzündungen zu lindern. Eine Studie an 100 Personen, die an Phayryngitis (Rachenentzündung) oder einer Tonsilitis (Mandelentzündung) litten, zeigte, dass die Gabe von Lutschtabletten mit 2mg Papain, 5mg Lysozym und 200 IE (Internationale Einheiten) Bacitracin im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer Verbesserung der Symptome führte.[7]

Allerdings ist nicht gesichert, ob die positiven Effekte durch das Papain selbst, die anderen Inhaltsstoffe oder die Zusammensetzung des Wirkstoffcocktails hervorgerufen wurden.

Papain könnte die Wundheilung unterstützen

Die Forschung zeigt, dass die wundheilenden und -reinigenden Eigenschaften des Enzyms und seine Anwendung als Mittel bei Hautkrankheiten, Geschwüren und Wunden vielversprechend sind.[8]

Bei einer Tierstudie an Ratten zeigte sich, dass ein Wundreiniger auf Papain-Basis dort die Heilung der Verletzungen förderte.[9]

Eine andere Studie kam ebenfalls zu dem Schluss, dass Papain bei der Behandlung vieler Wundarten in den verschiedenen Stadien der Heilung Wirksamkeit zeigte.[10]

Papain könnte Schmerzen und Entzündungen reduzieren

Die Forschung legt nahe, dass proteolytische Enzyme Entzündungen genauso gut oder sogar besser reduzieren können wie einige entzündungshemmende Medikamente.[11]

Da die klinische Forschung am Menschen aber momentan noch begrenzt ist, sind dazu weitere Studien nötig.

Papain bei Entzündungen, Wirkung von Papain, Viktilabs

Nichtsdestotrotz werden aufgrund dieser möglichen positiven Effekte Papain und andere proteolytischen Enzyme zur Unterstützung der Wundheilung und zur Verringerung von Schwellungen nach Verletzungen oder Traumata eingesetzt.

Mögliche Linderung von Gürtelrose-Symptomen

Typische Symptome der Gürtelrose (Herpes Zoster) wie Hautläsionen, Neuralgien oder Schmerzen könnten durch proteolytische Enzyme wie Papain gelindert werden.

Eine kontrolliert durchgeführte klinische Studie an 192 Personen mit Gürtelrose zeigte, dass die Behandlung der Symptome mit einem proteolytischen Enzympräparat genauso wirksam war wie die Behandlung mit einem herkömmlichen antiviralen Medikament.[12]

Es sind aber aktuellere Studien nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Papain und Krebs

Die Enzyme der Papaya zeigten in ersten Versuchsreihen Wirkung bei der Wachstumshemmung von Tumoren. Allerdings fanden diese Studien größtenteils in Tierversuchen oder mit Zellkulturen bzw. in-Vitro statt.[13] Deshalb ist eine Übertragung der Effekte auf den menschlichen Organismus nicht so ohne weiteres möglich. Trotzdem könnte der Ansatz vielversprechend sein.

Das sollte bei der Einnahme von Papain beachtet werden

Beim Verzehr von Papayas in normaler Menge ist mit keinen Nebenwirkungen zu rechnen.

Bei Papain als Nahrungsergänzungsmittel können zu hohe Dosen des Enzyms sllergische Reaktionen, Magenreizung oder Probleme mit Rachen oder Speiseröhre nach sich ziehen. Dosierungen zwischen ca. 350 bis 1.000 mg werden als Ergänzung zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und werden in der Regel gut vertragen.

Menschen, die allergisch auf Papaya und deren Milchsaft reagieren, sollten eine Einnahme überdenken.

Bei der Einnahme von Enzymen sollte man darauf achten, sie zu den Mahlzeiten einzunehmen. Bis zu 2 Stunden vor oder nach dem Essen sollen für eine optimale, entzündungshemmende Wirkung sorgen.

Fazit

Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Papain die Verdauung unterstützen und Entzündungen sowie Schmerzen lindern kann. Es sind aber weitere Studien nötig, um die volle Wirkungsweise dieses Enzyms und seine Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen.

Da Papain unter Umständen allergische Reaktionen hervorrufen kann, solltest du darauf achten, nur hochwertige Kapseln aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu beziehen.

 

[1] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1046/j.1365-313X.2003.01968.x

[2] https://web.archive.org/web/20110126211513/http://transfusionsmedizin.uk-wuerzburg.de/studenten/hauptvorlesung/blutgruppen-erythrozyten-iii/fy-system.html

[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23524622/

[4] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0308814606003426

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22369197/

[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15161110/

[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/789219/

[8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21061910/

[9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21061910/

[10] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23405827/

[11] https://nutritionreview.org/2013/04/controlling-inflammation-proteolytic-enzymes/

[12] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7713467/

[13] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/mnfr.201200388